Die Berufsmaturität

Die Berufsmaturität

Nach erfolgreich bestandener Lehre oder bereits während der Lehre besteht die Möglichkeit, eine Berufsmaturität zu absolvieren. Dieser Blog erklärt, was es bezüglich der Berufsmaturität zu Wissen gibt.

Die Berufsmaturität ergänzt die berufliche Grundausbildung, die Lehre, mit einer erweiterten Allgemeinbildung. Ihr Markenzeichen ist die Verbindung von Theorie und Praxis. Der in der ganzen Schweiz anerkannte Abschluss gestattet die Zulassung zu Schulen der Tertiärstufen und zu anderen Weiterbildungen.

Arbeit und Schule kann ganz schön anstrengend sein

Varianten der Berufsmatura

Die Berufsmaturität, welche jährlich von rund 14’000 Personen in der Schweiz erlangt wird (wobei dies nur drei Prozent der Lehrabsolventen beziehungsweise Lernenden entspricht), kann auf drei Wegen absolviert werden.

Einerseits besteht die Möglichkeit, diese während der beruflichen Grundausbildung zu absolvieren (Variante BM1 genannt). Wer diese Variante wählt, hat sich mit dem Berufsausbildner zu einigen, denn die Ausbildung erfordert normalerweise mindestens einen weiteren Halbtag frei für den Unterricht. Dadurch kann der Lernende zwar weniger Arbeit im Betrieb verrichten, der Betrieb profitiert aber von einem Ruf als sehr guter Ausbildungsplatz. Andererseits kann die Berufsmaturität auch nach der Berufslehre erlangt werden (BM2). Hier besteht die Möglichkeit, zwei Semester Vollzeit zu studieren oder Teilzeit in bis zu fünf Semestern. Die dritte Option ist diejenige, sich selbständig auf die Prüfungen vorzubereiten und die Prüfung individuell zu schreiben. Die Prüfung wird einmal jährlich in Bern angeboten.

Die BM1, sprich die Ausbildung parallel zur Lehre, orientiert sich an der beruflichen Grundausbildung. Der Unterricht der Berufsmaturität beginnt zeitgleich mit der Berufsschule. Zudem finden die Abschlussprüfungen der Lehre und der Berufsmaturität während der gleichen Periode statt. Lernende mit einer vierjährigen Ausbildung besuchen an einem Tag pro Woche den Unterricht für die Berufsmaturität. Bei dreijährigen Ausbildungen findet der Unterricht je nach Lehrjahr an einem oder eineinhalb Tagen statt. Wer sich jedoch für den Typ Wirtschaft entscheidet, hat während drei Jahren zwei Tage pro Woche die Berufsmaturitätsschule zu besuchen. Die Variante BM1 ist aufgrund der Dreifachbelastung von Schule, Arbeit und Berufsmaturität sehr anstrengend und nur für motivierte, belastbare Persönlichkeiten geeignet.  

Als Entlastung besteht auch die Möglichkeit, die Variante BM1 flex zu wählen. Hier sind der Lehrabschluss und die Berufsmaturität entkoppelt. Die Berufsmaturität dauert länger als der Lehrabschluss, da gewisse Kurse erst nach dem Lehrabschluss stattfinden. Die längere Dauer reduziert einerseits den Stress. Andererseits steht den Schülerinnen und Schülern mehr Zeit für die berufliche Ausbildung im Betrieb zur Verfügung.  Die BM1 flex wird allerdings bisher nur für bestimmte Berufe angeboten, wie etwa Laborant/in EFZ oder Fachfrau/Fachmann Betreuung EFZ. 

Die Ausbildungswege BM1 und BM2 gelten als gleichwertige Ausbildungen. Der Vorteil der Variante BM1 besteht darin, dass man im Verhältnis zur Variante BM2 ein Jahr Zeit gewinnt. Andererseits ist die Belastung viel grösser. Die Variante BM2 hat den Nachteil, dass man während einem Jahr mit einem Verdienstausfall rechnen muss.

Aufbau und Ausrichtung

Die Berufsmaturität ist unterteilt in fünf Ausrichtungen. Je nach gewählter Ausrichtung variiert der Lerninhalt.  Die möglichen Ausrichtungen sind: Technik, Architektur und Life Sciences (als Ergänzung für Lehren technischer oder handwerklicher Natur), Natur, Landschaft und Lebensmittel, Wirtschaft und Dienstleistungen, Gestaltung und Kunst (für Absolventen künstlerischer und technisch-handwerklicher Berufe) sowie Gesundheit und Soziales. Je nach Kanton werden nicht alle Ausrichtungen der Berufsmaturität angeboten.

Der Unterricht während der Berufsmaturität, der mindestens 1440 Lektionen dauert, ist theoretisch ausgerichtet. Die sogenannten Grundlagenfächer werden in allen Ausrichtungen unterrichtet. Zu den Grundlagenfächern gehören die erste Landessprache, eine zweite Landessprache und dritte Sprache sowie Mathematik. Als Schwerpunktfächer gelten Finanz-und Rechnungswesen, Gestaltung, Kunst und Kultur, Information und Kommunikation, Mathematik, Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften sowie Wirtschaft und Recht. Die Schwerpunktfächer, von denen zwei besucht werden müssen, unterscheiden sich je nach ausgewählter Fachrichtung. Weiter sind zwei Ergänzungsfächer zu belegen, etwa Geschichte und Politik, Technik und Umwelt und Wirtschaft und Recht. Einige Schulen bieten auch zweisprachigen Unterricht an.

Die Wahl der Ausrichtung der BM1 wird meistens von der beruflichen Grundausbildung bestimmt. Wer die Berufsmaturität nach der Lehre absolviert, sprich die Variante BM2 wählt, dem stehen alle Ausrichtungen offen. Die BM2 Variante richtet sich an die anschliessend angestrebte Studienfachrichtung. Wenn ich eine kaufmännische Lehre besucht habe, aber lieber Architektur studieren möchte, kann ich ohne Problem die Berufsmaturität in der Variante BM2 im Bereich Technik und Architektur absolvieren.

Je nach Ausrichtung zählen auch die künstlerischen Fähigkeiten

Aufnahmekriterien

Wer eine Berufsmaturität erlangen will, hat eine einheitliche schriftliche Aufnahmeprüfung zu absolvieren. Geprüft werden die Fächer Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik. Getestet wird der Schulstoff des dritten Jahres an der Sekundarschule. Bestanden hat, wer mindestens die Note 4.0. erreicht. Für die BM1 wird zudem ein Lehrvertrag benötigt, für die BM2 ein Fähigkeitszeugnis EFZ. In gewissen Fällen ist die BM1 auch prüfungsfrei, beispielsweise, wenn man bereits eine Aufnahmeprüfung für ein Gymnasium bestanden hat.

Je nach Ausrichtung gelten besondere Aufnahmebestimmungen. Interessierte der Fachrichtung Kunst haben eine gestalterische Prüfung zu bestehen. Wer die BM2 absolvieren möchte und in den Lehrabschlussprüfungen des Bereiches Kauffrau/Kaufmann in den relevanten Fächern mindestens eine 4.5 erzielt hat, muss keine Aufnahmeprüfung absolvieren. Wer eine Handelsmittelschule oder Informatikschule besucht, der erhält bei Bestehen der Schule automatisch die Berufsmaturität im Bereich Wirtschaft und Dienstleistungen.

Und danach?

Die Berufsmaturität ermöglicht den prüfungsfreien Zugang zu Fachhochschulen in einem mit dem Beruf verwandten Studienbereich. Zudem ermöglicht sie über ein Aufnahmeverfahren das Studium an einer Pädagogischen Hochschule. Weiter besteht nach der Berufsmaturität die Möglichkeit, ein einjähriges Passerelle zu besuchen. Wer diese Ergänzungsprüfung besteht, der kann sich an Schweizer Universitäten einschreiben.

Die Berufsmaturität und die Fachhochschulen sind gekennzeichnet durch Praxisnähe und Anwendungsorientierung. Sie richten sich am Bedarf der Unternehmen an qualifizierten Fachkräften aus. Der Weg über die Berufsmaturität ermöglicht deshalb vielfältige und spannende Karrieremöglichkeiten.

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